Werden


Werden

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1wer|den ['ve:ɐ̯dn̩], wird, wurde, geworden/worden <itr.; ist; 2. Partizip: geworden>:
1. in einen bestimmten Zustand kommen; eine bestimmte Eigenschaft bekommen:
er wird alt, müde; meine Mutter ist gestern 70 [Jahre alt] geworden; das Wetter wird wieder besser; morgen soll es sehr heiß werden; <unpers.> plötzlich wurde [es] ihr übel, schwindlig.
2.
a) <in Verbindung mit einem Gleichsetzungsnominativ> eine Entwicklung durchmachen:
er wird Bäcker; sie will seine Frau werden; er ist gestern Vater geworden; Mode für werdende Mütter.
b) sich (zu etwas) entwickeln:
sie ist zur Frau geworden; er wird immer mehr zum Pantoffelhelden; das Wasser ist zu Eis geworden.
c) sich (aus etwas) entwickeln:
aus Liebe wurde Hass; aus diesem Plan wird nichts; was wird aus ihr bloß werden!
d) sich (von/aus etwas zu etwas) entwickeln:
er wurde über Nacht vom Bettler zum Millionär; das Buch wurde im Laufe der Zeit vom kleinen Hilfswörterbuch zum unentbehrlichen Nachschlagewerk.
3.
a) <unpers.> sich einem bestimmten Zeitpunkt nähern:
es wird Abend; es wird gleich 12 Uhr.
b) <itr.; ist; 2. Partizip: geworden> (ugs.) sich so im Ergebnis zeigen, darstellen, wie es auch beabsichtigt war:
das Haus wird allmählich; die Zeichnung, das Foto ist nichts geworden.
  2wer|den ['ve:ɐ̯dn̩] Hilfsverb; 2. Partizip: worden>:
1.
a) dient in Verbindung mit einem Infinitiv der Bildung des Futurs: es wird [bald] regnen; wir werden nächste Woche in Urlaub fahren.
b) kennzeichnet ein vermutetes Geschehen: sie werden bei dem schönen Wetter im Garten sein; sie wird schon wissen, was sie tut.
2. dient in Verbindung mit dem 2. Partizip der Bildung des Passivs: sie ist dabei beobachtet worden; du wirst gerufen; jetzt wird aber geschlafen!; der Künstler wurde um eine Zugabe gebeten; (unpers.; oft statt einer aktivischen Ausdrucksweise mit »man«) es wurde gemunkelt, dass sie schwanger sei.
3. <Konjunktiv »würde« + Infinitiv> zur Umschreibung des Konjunktivs, besonders bei Verben, die keine eigenen unterscheidbaren Formen des Konjunktivs bilden können; drückt vor allem konditionale oder irreale Verhältnisse aus: ich würde kommen/gekommen sein, wenn das Wetter besser wäre/gewesen wäre; würdest du das bitte erledigen?

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wẹr|den 〈V. 280; ist
I 〈Hilfsverb zur Bildung des Passivs, von Futur I u. II, des Konjunktivs u. von Wunschsätzen u. Sätzen der Ungewissheit〉
I.I 〈Passiv〉 er ist befördert worden; er wurde zum Direktor ernannt; der Nussbaum wird gefällt; ich bin am Arm verwundet worden
I.II 〈Futur I〉 ich werd dir helfen! 〈umg.; scherzh.〉 wehe, wenn du das tust!; ich werde kommen; es wird gleich regnen; du wirst ihn heute Abend sehen
I.III 〈Futur II; in Verbindung mit „sein“ od. „haben“〉 wir \werden gewachsen sein; wir \werden gewonnen haben
I.IV 〈Konjunktiv〉 ich würde gern kommen, wenn ich Zeit hätte; würdest du es ihm wohl sagen? 〈höfl. Form für〉 bitte sag es ihm!; würden Sie bitte so freundlich sein, mir zu helfen? 〈höfl. Form für〉 bitte helfen Sie mir!
I.V 〈in Sätzen der Ungewissheit, des Wunsches usw.〉 kommen wird er wohl, aber ...; lesen: er wird es wohl nicht gelesen haben er hat es sicher nicht gelesen; es wird ihm doch nichts passiert sein?; es wird schon so sein, wie du sagst es ist sicher so; es wird schon richtig sein; jetzt \werden wohl alle da sein; es wird schon \werden 〈umg.〉 es wird schon gehen, klappen, es wird schon alles gutgehen
II Vollverb; V. intr.〉
1. entstehen, sich entwickeln, wandeln (zu)
● er will Arzt \werden; ihm wurde Befehl zu ... 〈veraltet〉 er erhielt den Befehl zu ...; er ist Erster, Letzter geworden; er ist ein guter Lehrer geworden; es werde Licht! (1. Buch Mose 1,3); sein Lohn soll ihm \werden 〈geh.〉 er soll belohnt werden, er soll seinen L. bekommen; es wird Nacht, Tag; dein Recht soll dir \werden 〈geh.〉 du sollst dein R. bekommen; es wird Zeit (zu gehen usw.); jetzt wird es aber (höchste) Zeit! ● was nicht ist, kann noch \werden; jeder Tag, den Gott \werden lässt; was soll nun \werden?; das ewige Stirb und Werde 〈fig.〉 der ewige Kreislauf der Natur; es will nicht \werden nicht klappen; es nimmt kein Ende; was willst du \werden, wenn du erwachsen bist? welchen Beruf willst du ergreifen?alt \werden; mir wird angst; mir wird ängstlich zumute; arm, reich \werden; blind, taub \werden; böse, zornig \werden; es wird dunkel, hell; wir können uns nicht einig \werden; gesund, krank \werden; größer \werden; es wird schon alles noch gut \werden; es wird kalt; mir wird kalt ich beginne zu frieren; daraus kann ich nicht klug \werden das verstehe ich nicht; die Zeit wird mir lang es ist mir langweilig; ohnmächtig \werden; mir wird schlecht, übel; es ist spät geworden; bist du verrückt geworden? 〈umg.〉 ● das muss anders \werden; es wird schon noch ein anständiger Mensch aus ihm \werden; was ist aus ihnen geworden?; aus dem Geschäft ist nichts geworden; was soll aus dem Jungen noch \werden?; aus nichts wird nichts 〈umg.〉; daraus wird nichts! 〈umg.〉 das kommt nicht in Frage!; nun, wird's bald?, wird's endlich? (drohende Aufforderung); und was wird mit dir?; ich bin wieder geworden 〈umg.〉 ich bin wieder gesund geworden, zu mir gekommen, habe mich wieder erholt; er ist zum Dieb geworden; die saure Milch ist zu Quark geworden; seine Besuche \werden mir allmählich zur Last; zu Stein, zu Eis \werden ● und was wurde dann?; und wie ist es dann noch geworden? ● eine \werdende Mutter eine Frau, die ein Kind erwartet; der \werdende Arzt der angehende Arzt
[<mhd. werden <ahd. werdan <germ. *werþ „werden, entstehen, sich wenden, drehen“]

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1wer|den <unr. V.; ist; 2. Part.: geworden>:
1.
a) in einen bestimmten Zustand kommen, eine bestimmte Eigenschaft bekommen:
arm, reich, krank, müde, frech, zornig, böse w.;
das Wetter wurde schlechter;
sie ist 70 [Jahre alt] geworden;
<unpers.:> heute soll, wird es sehr heiß w.;
es ist sehr spät geworden;
in den letzten Jahren ist es still geworden um ihn;
b) <unpers.> als ein bestimmtes Gefühl bei jmdm. auftreten:
jmdm. wird [es] übel, schwindelig, kalt, heiß.
2.
a) <in Verbindung mit einem Gleichsetzungsnominativ> eine Entwicklung durchmachen:
er will Arzt w.;
was willst du w.?;
sie wurde seine Frau;
Vater w.;
etw. wird Mode;
ein Traum ist Wirklichkeit geworden;
wenn das kein Erfolg wird!;
<1. Part.:> eine werdende Mutter (eine Frau, die ein Kind erwartet);
b) sich zu etw. entwickeln:
das Kind ist zum Mann geworden;
das wird bei ihm zur fixen Idee;
das wurde ihm zum Verhängnis;
c) sich aus etw. entwickeln:
aus Liebe wurde Hass;
aus diesem Plan wird nichts;
was soll bloß aus dir w.!;
d) <unpers.:> sich einem bestimmten Zeitpunkt nähern:
in wenigen Minuten wird es 10 Uhr;
es wird [höchste] Zeit zur Abreise;
morgen wird es ein Jahr seit unserem letzten Treffen.
3.
a) entstehen:
es werde Licht!;
(veraltet, noch dichter.:) es ward (wurde) Licht;
jeder Tag, den Gott w. lässt;
werdendes Leben;
große Dinge sind im Werden;
R was nicht ist, kann noch w.;
b) (ugs.) sich so im Ergebnis zeigen, darstellen, wie es auch beabsichtigt war:
das Haus wird allmählich;
sind die Fotos geworden?;
wirds bald? (energische Aufforderung, sich zu beeilen);
das wird was w.! (das wird großen Spaß geben);
was soll bloß w. (wie soll es bloß weitergehen), wenn …
4. (geh.) jmdm. zuteilwerden:
jedem Bürger soll sein Recht w.
2wer|den <unr. V.; Hilfsverb; 2. Part.: worden> [identisch mit 1werden]:
1. <w. + Inf.>
a) zur Bildung des Futurs; drückt Zukünftiges aus:
es wird [bald] regnen;
wir werden nächste Woche in Urlaub fahren;
er wird für diese Arbeit gelobt werden;
<2. Futur:> wenn du zurückkommst, werde ich die Arbeit beendet haben;
b) kennzeichnet ein vermutetes Geschehen:
sie werden bei dem schönen Wetter im Garten sein;
sie wird schon wissen, was sie tut;
<2. Futur:> er wird den Brief inzwischen bekommen haben.
2. <w. + 2. Part. zur Bildung des Passivs>
du wirst gerufen;
<unpers., oft statt einer aktivischen Ausdrucksweise mit »man«:> es wurde gemunkelt (man munkelte), sie hätte in einer Nacht ein Vermögen verspielt;
jetzt wird aber geschlafen! (energische Aufforderung; ihr sollt jetzt schlafen!)
3. <Konjunktiv »würde« + Inf.>
a) zur Umschreibung des Konjunktivs, bes. bei Verben, die keine unterscheidbaren Formen des Konjunktivs bilden können; drückt vor allem konditionale od. irreale Verhältnisse aus:
sonst würden wir dort nicht wohnen;
ich würde kommen/gekommen sein, wenn das Wetter besser wäre/gewesen wäre;
würdest du das bitte erledigen? (höfliche Umschreibung des Imperativs; bitte erledige es!);
ich würde sagen (ich bin der Meinung), hier haben alle versagt;
b) zur Umschreibung des Futurischen:
er sagte, dass er morgen zum Arzt gehen würde.

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I
Werden,
 
Stadtteil von Essen.
 
II
Werden,
 
Entwicklung, Veränderung; die Tatsache, dass sich der Mensch und alles, was ihn umgibt, im Prozess der Veränderung befinden und damit Werden und Vergehen unterliegen. Das philosophische Denken war von Anfang an auf ein Begreifen des Werdens als eines fortschreitenden Übergangs vom Nichtsein zum Sein, von noch nicht erreichter Verwirklichung zum Verwirklichten gerichtet. Während die Naturphilosophie der Vorsokratiker noch nach materiellen und immateriellen Prinzipien des »Werdens und Vergehens« sucht, stellen Heraklit und Parmenides die Antithese von Sein im Sinne einer Negation von Veränderung und Werden (Parmenides) und Werden im Sinne einer Negation von Sein (Heraklit) auf. Auch der ontologische Dualismus Platons baut auf derartigen Begriffen auf. Zugleich widerlegt Platon die These von Parmenides, dass es nicht Seiendes und damit Werden nicht geben könne. Aristoteles sucht einerseits ontologisch nach Gründen, dass die Gegenstände so sind, wie sie (geworden) sind beziehungsweise wie wir sie unterscheiden können; andererseits geht er in seiner Prinzipienanalyse auf den Sprachgebrauch von »Werden« ein. Dies führt ihn v. a. auf die Unterscheidung zwischen Werden als (substanzielles) Entstehen und Werden als akzidentelle Veränderung. Dabei werden die Begriffe des »zugrunde Liegenden« (Substanz, Substrat), der Form und des Formmangels (Steresis), von verwirklichtem Akt und diesem zugrunde liegender Potenz als allgemeine Prinzipien des Werdens gewonnen und als äußere Ursachen, Wirkursache und Zweck oder Ziel unterschieden. Ihm strebt der gesamte Werdeprozess zu (Teleologie). In der nacharistotelischen Metaphysik tritt der Begriff des Werdens gegenüber dem des Seins in den Hintergrund. Erst G. W. F. Hegel greift auf die Kategorie des Werdens mit den bestimmenden Momenten des Entstehens und Vergehens zurück.
 
 
E. Hering: Das W. als Gesch. (1939);
 N. Hartmann: Philosophie der Natur (21980);
 G. W. F. Hegel: Wiss. der Logik, 2 Bde. in 3 Tlen. (Neuausg. 1990-94);
 H. Bergson: Denken u. schöpfer. W. (a. d. Ital., Neuausg. 1993).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Lebensphilosophie: Werden und Wandel - Ein Blick auf den schöpferischen Lebensprozess
 

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wer|den <unr. V.; ist [mhd. werden, ahd. werdan, eigtl. = (sich) drehen, wenden u. verw. mit Wurm; vgl. auch lat. vertere, ↑Vers]: I. <2. Part.: geworden> 1. a) in einen bestimmten Zustand kommen, eine bestimmte Eigenschaft bekommen: arm, reich, krank, müde, frech, zornig, böse w.; ich bin zu spät wach geworden; sind die beiden glücklich geworden?; warum wirst du denn immer gleich rot?; das Wetter wurde schlechter; sie ist 70 [Jahre alt] geworden; <unpers.:> heute soll, wird es sehr heiß w.; es ist sehr spät geworden; in den letzten Jahren ist es still geworden um ihn; b) <unpers.> als ein bestimmtes Gefühl bei jmdm. auftreten: jmdm. wird [es] übel, schwindelig, kalt, heiß; Mir wird, als bade ich in verdorrten, modernden Blumen (Fels, Kanakenfauna 122). 2. a) <in Verbindung mit einem Gleichsetzungsnominativ> eine Entwicklung durchmachen: Arzt w.; was willst du w.?; ich erachte die Gabe der Bewunderung für die allernötigste, um selbst etwas zu w. (Reich-Ranicki, Th. Mann 73); ein ordentlicher Mensch w.; sie wurde seine Frau; Vater w.; er will kein Held w.; sie hatte einmal Sängerin w. wollen; dass ich gerade dadurch mehr ich selbst geworden bin (mich stärker verwirklichen, meine Fähigkeiten entwickeln konnte) als je zuvor (Denneny [Übers.], Lovers 85); etw. wird Mode; ein Traum ist Wirklichkeit geworden; wenn das kein Erfolg wird!; <1. Part.:> eine werdende Mutter (eine Frau, die ein Kind erwartet); b) sich zu etw. entwickeln: das Kind ist zum Mann geworden; über Nacht wurde das Wasser zu Eis; Wenn es in den obersten Führungsetagen nur um Ergebnisse ... geht, wird Moral schnell zum Störfaktor (Woche 28. 2. 97, 11); das wird bei ihm zur fixen Idee; das wurde ihm zum Verhängnis; Eine Ideologiekritik jedoch ... kann leicht von einem Instrument der Wahrheitsfindung zu einem der Rechthaberei w. (Sloterdijk, Kritik 60); Ein mysteriöser Unfall irgendwann in der Vergangenheit hat das Nichtfeiern von Geburtstagen zur Familientradition der Malerbas w. lassen (Woche 14. 11. 97, 47); c) sich aus etw. entwickeln: aus Liebe wurde Hass; aus diesem Plan wird nichts; was soll bloß aus dir w.!; Ich komme erst zurück, wenn etwas aus mir geworden ist (Ziegler, Labyrinth 88); d) <unpers.:> sich einem bestimmten Zeitpunkt nähern: in wenigen Minuten wird es 10 Uhr; es wird [höchste] Zeit zur Abreise; morgen wird es ein Jahr seit unserem letzten Treffen. 3. a) entstehen: es werde Licht!; (veraltet, noch dichter.:) es ward (wurde) Licht; jeder Tag, den Gott w. lässt; Nachdem ich den Mörtel von den Händen gerieben habe, gehe ich, bevor dieser Tag wird (Frisch, Montauk 142); werdendes Leben; Wie oft ... gehen dieselben Kräfte, die sich heute so sehr um den Schutz des ungeborenen Lebens sorgen, verantwortungslos mit dem gewordenen Leben um! (Kelly, Um Hoffnung 109); <subst.:> Der Zufall von der Existenz der Erde und der Gattung kann aber nicht so weit gehen, dass der Gattung zum Sein noch ein Sinn mitgegeben wird, während die Natur ja keinen Sinn und daher auch keine Geschichte kennt, sondern nur Werden und Vergehen, Kreislauf und ewige Wiederkehr (Menasse, Phänomenologie 22); Im Zentrum der bürgerlichen Bildung stand das geschichtliche Werden unserer nationalen Kultur (Rhein. Merkur 8, 1976, 29); große Dinge sind im Werden; R was nicht ist, kann noch w.; b) (ugs.) sich so im Ergebnis zeigen, darstellen, wie es auch beabsichtigt war: das Haus wird allmählich; sind die Fotos geworden?; Alle Fotos ... sind etwas geworden. Das beste schicke ich euch (Freizeitmagazin 10, 1978, 53); die Zeichnung ist nichts geworden (ist misslungen); Was sie sich wünschte, wurde (gelang), traf ein (Grass, Butt 157); wirds bald? (energische Aufforderung, sich zu beeilen); die Pflanze wird nicht wieder (geht ein); das wird [et]was w.! (das wird großen Spaß geben); was soll bloß w. (geschehen), wenn ...; mit den beiden scheint es etwas zu w. (sie scheinen ein Paar zu werden); *nicht mehr/nicht wieder werden (salopp; aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, fassungslos sein): plötzlich hängt sie mir am Hals, als wär sie zwanzig. Ich denk, ich werd nicht wieder (Brot und Salz 199). 4. (geh.) jmdm. zuteil werden: jedem Bürger soll sein Recht w. ∙ 5. <Prät. ward, 2. Part. worden:> Alles andere, was zur Sicherheit und Trocknis des Gebäudes dienen konnte, ward beraten und ausgeführt (Goethe, Tag- und Jahreshefte 1818); der Müller ward nach und nach arm, wie sehr auch seine arme Frau dagegen sich wehrte (Gotthelf, Elsi 121); Er zog bei dem Pachter ein und ward zu dessen Familie gerechnet (Tieck, Runenberg 37); Wohl euch, dass Ihr mit dem Verräter nicht näher verwandt worden (Goethe, Götz III); Schatzmeister bin ich bei ihm worden (Lessing, Nathan I, 3); Hauptmann! Was machst du? Bist du wahnsinnig worden? (Schiller, Räuber V, 2). II. <2. Part.: worden> 1. <w. + Inf.> a) zur Bildung des Futurs; drückt Zukünftiges aus: es wird [bald] regnen; wir werden nächste Woche in Urlaub fahren; das Kind wird für diese Arbeit gelobt werden; <2. Futur:> bis du zurückkommst, werde ich meine Arbeit beendet haben, wird sie bereits fortgegangen sein; b) kennzeichnet ein vermutetes Geschehen: sie werden bei dem schönen Wetter im Garten sein; sie wird schon wissen, was sie tut; <2. Futur:> er wird den Brief inzwischen bekommen haben. 2. <w. + 2. Part. zur Bildung des Passivs> du wirst gerufen; der Künstler wurde um eine Zugabe gebeten; Die Neigung wurde gefördert (Lentz, Muckefuck 100); Denn geschossen und getroffen wurde (Grass, Butt 145); <unpers., oft statt einer aktivischen Ausdrucksweise mit „man“>: es wurde gemunkelt (man munkelte), sie hätte in einer Nacht ein Vermögen verspielt; jetzt wird aber geschlafen! (energische Aufforderung; ihr sollt jetzt schlafen!). 3. <Konjunktiv „würde“ + Inf.> a) zur Umschreibung des Konjunktivs, bes. bei Verben, die keine unterscheidbaren Formen des Konjunktivs bilden können; drückt vor allem konditionale od. irreale Verhältnisse aus: sonst würden wir dort nicht wohnen; wenn sie mich rufen würden, käme ich sofort; ich würde kommen/gekommen sein, wenn das Wetter besser wäre/gewesen wäre; würdest du das bitte erledigen? (höfliche Umschreibung des Imperativs; bitte erledige es!); ich würde sagen (ich bin der Meinung), hier haben alle versagt; b) zur Umschreibung des Futurischen, des Noch-nicht-Begonnenen: er sagte, dass er morgen zum Arzt gehen würde; Zum ersten Mal, seit Gunilla unsere Lehrerin war, sammelten wir uns nicht bei Musik. Heute war nichts wie sonst. Wie würde es erst werden nach dem, was Freitag bei Fanny auf der Fete passiert ist? (Thor [Übers.], Ich 7).

Universal-Lexikon. 2012.

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